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Behindertenhilfe

ver.di kritisiert Senkung der Kita-Standards - Zusagen des Kultusministeriums werden nicht gehalten

ver.di kritisiert die geplante Senkung der Betreuungsstandards in Kindertagesstätten durch die Vergrößerung der Gruppen scharf. Deutlich zu wenig Plätze für Kinder gibt es durch die gestiegenen Bedarfe schon seit Jahren, es fehlt vor allem an Fachkräften. Die Politik hätte schon lange handeln können, um den erhöhten Betreuungsbedarf bei Erhalt der Standards abzudecken.

Hanna Binder, stellvertretende ver.di Landesbezirksleiterin und Fachbereichsleiterin Gemeinden: „Das Signal dieser Entscheidung ist in doppelter Hinsicht bedenklich. Es ist das Eingeständnis, die Lösung des Konflikts zwischen Edith Sitzmann und Susanne Eisenmann vor wenigen Wochen tatsächlich auf dem Rücken der kleinsten Kinder zu realisieren. Jetzt kommt die Senkung der Standards, die wir schon damals befürchtet hatten. Dafür nun aber auch noch Eltern im Land gegen geflüchtete Kinder auszuspielen, schürt unnötig Ressentiments. Nicht Kinder aus Syrien oder dem Irak sind schuld an einer Absenkung der Betreuungsqualität, sondern nur, dass sich das Finanzministerium gegen das Kultusministerium durchgesetzt hat.“

ver.di kritisiert, dass neben den Kindern und Eltern vor allem die Fachkräfte in den Kitas, die gerade erst in der Stuttgarter Umfrage Spitzennoten der Eltern für ihre Arbeit bekommen haben, die Folgen zu tragen haben. „Geeigneten Kräfte“ statt Fachpersonal fehlt es an der nötigen Qualifikation, um zusätzliche Kinder mit eindeutig erhöhtem Betreuungsbedarf zu integrieren. Außerdem wird der Einsatz „geeigneter Kräfte“ statt ausgebildeter Erzieherinnen die Attraktivität des Berufs gefährden statt verbessern.

Martin Gross, ver.di Landesbezirksleiter: „So lässt sich der Fachkräftemangel in den Kitas nicht lösen. Die Lehre der letzten Jahre ist: Sozial- und Bildungspolitik darf nicht Opfer falscher Sparpolitik werden. Wer das im Jahr 2016 immer noch nicht verstanden hat, hat gar nichts verstanden.“

Hintergrund:
Bereits im Oktober hat ver.di das Kultusministerium schriftlich gebeten, zu den Gerüchten um eine Absenkung der Standards Stellung zu nehmen. Ende November erhielt ver.di die Antwort, dass dies nicht geplant sei.
Nun soll die Überschreitung der bisherigen Höchstgrenzen im Ü 3-Bereich ab sofort ohne förmliches Verfahren möglich sein, wenn zusätzlich maximal zwei Flüchtlingskinder pro Gruppe aufgenommen werden. Bedingung ist, dass die Träger eine „Selbstverpflichtungserklärung“ unterzeichnen (für die es noch kein Muster gibt) und ab dem ersten Kind über der Höchstgruppenstärke eine weitere „geeignete Kraft“ eingesetzt wird.

ver.di hält diesen Vorgang für höchst problematisch. Nicht nur, dass sich das Kultusministerium über das Landesjugendamt als Aufsichtsbehörde hinwegsetzt. Es ist völlig undefiniert, was unter einer „geeigneten Kraft“ zu verstehen ist und es wird ignoriert, dass die Gruppengröße nicht nur Auswirkungen im Hinblick auf die Betreuungsrelation hat, sondern auch auf die räumlichen Gegebenheiten.