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Dreist: Diakonie will Arbeitsbedingungen und Einkommen in der …

Kirchen, Diakonie und Caritas

Dreist: Diakonie will Arbeitsbedingungen und Einkommen in der Altenpflege verschlechtern!

Diakonie-Info für alle aus der Diakonie Württemberg, die unter die AVR DD fallen

 
Die Arbeitgeber nennen es „notwendige strukturelle Veränderungen“. Wir nennen es einen Skandal. Für Sie als Beschäftigte eines diakonischen Altenhilfe-Unternehmens, die Sie unter die Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie Deutschland (AVR DD) fallen, drohen massive Verschlechterungen Ihrer Einkommen und Arbeitsbedingungen. Noch heftiger davon betroffen sind Ihre zukünftigen Kolleginnen und Kollegen. Deren Einkommen sollen um bis zu 20 Prozent „abgesenkt“ werden. Hier besonders betroffen: Die Pflegehelferinnen und andere Assistenzberufe, die im Vergleich zu den AVR Württemberg, denen der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) zugrunde liegt, schon jetzt im Monat zwischen 100 und 400 Euro weniger verdienen.

Bitte nehmen Sie sich die Zeit für Folgendes:

Dreist: Der Plan der Arbeitgeber für Ihre Zukunft.

Für alle:

  • Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden für alle Beschäftigten (entspricht einem Einkommensver-lust von 2,6 Prozent).
  • Die Jahressonderzahlung soll von 100 auf 25 Prozent reduziert werden (entspricht 6 Prozent Einkom-mensverlust).
  • Streichung der Pflegezulage (80 Euro im Monat) für Pflegehelferinnen. Macht 6 bis 8 Prozent weniger monatlich.
  • Verlängerung der Stufenlaufzeiten auf bis zu 6 Jahre. Die Endstufe wird erst nach 22 Jahren erreicht (bisher: 10 Jahre). Jeweils 5 Prozent mehr durch die nächsthöhere Stufe erst zwei bis vier Jahre später.
  • Eigenbeteiligung bei der betrieblichen Altersversorgung.

Für die zukünftigen Kolleginnen und Kollegen:

  • Neue, erste Stufe in der Entgelttabelle: 5 Prozent niedriger als die bisherige erste Stufe. Einstiegsgehalt für Pflegehelferinnen: 1.885 Euro brutto!
  • Anerkennung von Vorerfahrungszeiten bei Neueinstellung: Pflegehelferinnen 6 Monate, Pflegefachkräfte 12 Monate. Das heißt: Alle fangen in der neuen, abgesenkten Stufe 1 an.

Der Kinderzuschlag soll für alle zukünftigen Beschäftigten gestrichen werden.
Weitere Infos und die Anträge der Arbeitgeber hier: https://www.streikrecht-ist-grundrecht.de/node/955.

Dieser Plan ist wirklich ein Skandal angesichts der massiv belastenden Arbeitsbedingungen und Personalnot in der Altenpflege sowie der drohenden Altersarmut vieler Beschäftigter (vor allem der Pflegehelferinnen und anderen Assistenzberufen).

Die Forderungen der Diakonie-Arbeitgeber widersprechen den gemeinsamen Bemühungen von ver.di und den Wohlfahrtsverbänden auf Bundes- und Landesebene für gute Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen in der Altenhilfe. Auch Vertreter/innen der Diakonie Württemberg unterstützen dies.

Die Rahmenbedingungen für die Altenhilfe lassen eine gesicherte Finanzierung zu: Das Bundessozialgericht und der Gesetzgeber haben festgelegt, dass Tarifverträge und kirchliche Arbeitsvertragsrichtlinien vollständig in den Pflegesätzen zu berücksichtigen sind. Es geht deshalb ausschließlich darum, Ihrem Träger einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, auch – und das ist eigentlich unfassbar – gegenüber den Diakonie-Konkurrenten, die die AVR Württemberg (TVöD) anwenden. Denn die Senkung der Personalkosten ermöglicht eine Senkung der Pflegesätze und damit der Zuzahlungen der Bewohner/innen.

Eigentlich müsste doch klar sein: Nur mit guten Einkommen und Arbeitsbedingungen wird man seine Beschäftigten halten und neues Personal gewinnen können.

Die „Anträge“ der Arbeitgeber haben gerade die erste Stufe der Schlichtung durchlaufen – ohne Ergebnis. Es ist bereits deutlich, wohin die Reise gehen soll: Es soll nur die unteren Entgeltgruppen treffen! In der zweiten Stufe wird es einen verbindlichen Schlichterspruch geben, das heißt es trifft Sie auf jeden Fall eine – wenn auch „mildere“ – Verschlechterung. Darauf spekulieren die Diakonie-Arbeitgeber mit ihrer „Maximalforderung“. Die Arbeitnehmervertreter/innen in der Arbeitsrechtlichen Kommission der Diakonie Deutschland haben keine wirksamen Mittel, die Absenkungen zu verhindern.

Die Arbeitgeber schaffen durch diese Aktion ihren »Dritten Weg«, von ihnen als »zivilisatorischer Fortschritt« gepriesen, selbst ab, indem sie auch der/dem Letzten verdeutlichen: »Dritter Weg« ermöglicht immer den Durchmarsch der Arbeitgeber. Den Arbeitnehmervertreter/innen bleibt nur »kollektives Betteln«. Der »Dritte Weg« ist kein fairer Interessensausgleich, sondern benachteiligt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Solche Absenkungsorgien können nur durch Tarifverhandlungen und - als letztem Mittel - einem Streik verhindert werden.

Es reicht. Das Vorgehen der Arbeitgeber zeigt, wie wenig ernst sie die Beschäftigten und deren existentielle Bedürfnisse nehmen.

Wir fordern deshalb die württembergischen Diakonie-Arbeitgeber auf: Bleiben Sie glaubwürdig in den Bemühungen, gute Arbeitsbedingungen sichern zu wollen. Ziehen Sie sich aus der Arbeitsrechtlichen Kommission Diakonie Deutschland zurück und verhandeln Sie mit uns einen Tarifvertrag für die Diakonie Württemberg.

Mit kollegialen Grüßen, Ihre Kolleginnen und Kollegen von der ver.di-Tarifkommission Diakonie Württemberg

Für unser gemeinsames Ziel, die Sicherung und Verbesserung der Einkommen und Arbeitsbedin-gungen in allen Bereiche der Diakonie Württemberg durch Tarifvertrag:
Zusammenschließen und aktiv werden!