Sozial- und Erziehungsdienst

Entlastung überfällig!

Kita-Personalcheck

Entlastung überfällig!

Der Kita-Personalcheck zeigt: Es fehlen 173.000 Fachkräfte
Kita-Personalcheck, 173.000 Fachkräft fehlen ver.di/ werkzwei Es fehlen 173.000 Fachkräft!  – Kita-Personalcheck 2021


ver.di Befragung in Kitas: Im Land fehlen im Schnitt drei Fachkräfte je Kita– in der Spitze bis zu 17 Kinder pro Fachkraft 

173.000 Fachkräfte fehlen bundesweit in den Kitas, davon alleine in Baden-Württemberg 27.000. Das ergab eine bundesweite Befragung, die ver.di in Kooperation mit der Hochschule Fulda als „Kita-Personalcheck“ durchgeführt hat. Trotz der angespannten Corona-Lage beteiligten sich rund 19.000 Fachkräfte aus allen Regionen und von unterschiedlichen Trägern am ver.di-Personalcheck und gaben Auskunft über ihre Arbeits- und Personalsituation. Davon kommen rund 1.800 aus Baden-Württemberg.

Die Umfrage hat ergeben, dass Baden-Württemberg zwar auf dem Papier bessere Betreuungsschlüssel bietet, was aber im Bundesvergleich von den hiesigen Beschäftigten kaum als bessere Bedingungen wahrgenommen wird. 37 Prozent der Befragten im Land gaben an, dass sie in der Spitze für mehr als 17 Kinder verantwortlich waren, während dies im bundesweiten Schnitt 44 Prozent waren. 44 Prozent der Beschäftigten der Beschäftigten in Baden-Württemberg können häufig nicht auf die Probleme und Wünsche der Kinder eingehen.

„Kitas sind keine Verwahreinrichtungen, damit Eltern arbeiten gehen können. Sie sind Einrichtungen der frühkindlichen Bildung. Sie sind ein elementarer Baustein für die Entwicklung von Kindern. Nur mit entsprechender Personalausstattung ist eine gute pädagogische Arbeit möglich“, so der ver.di Landesbezirksleiter Martin Gross.

Die Vorsitzende der ver.di-Fachgruppe Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe, Hansi Weber, ergänzt: „Wegen der Pandemie kann der vorgeschriebene Mindestpersonalschlüssel in den Kinderbetreuungseinrichtungen in Baden-Württemberg um 20 Prozent herabgesetzt werden. Diese Regelung wurde vor Kurzem vom Kommunalverband für Jugend und Soziales verlängert, solange es im Südwesten eine Coronaverordnung des Landes gibt. Das führt unweigerlich zu einer Überlastung der Kolleginnen und Kollegen sowie einer unpersönlichen Betreuung und verringert die Chancen der Kinder auf Bildungsgerechtigkeit.“

In Baden-Württemberg gaben 58 Prozent der Befragten an, dass sie mindestens oft außerhalb der bezahlten Arbeitszeit für ihre Einrichtungen Tätigkeiten übernehmen.

„In den Kitas ist es üblich und wird erwartet, dass die Beschäftigten auch nach Ende der Arbeitszeit noch unentgeltlich tätig sind. Sei es die Besorgung von Spielmaterial oder das Ausdrucken von Fotos in Drogeriemärkten. Das sind Vor- und Nachbereitungszeiten. Es ist ein Zeichen fehlender Wertschätzung, wenn so getan wird, als sei das kein Bestandteil der Arbeit“, so Hanna Binder, stellvertretende ver.di Landesbezirksleiterin und zuständige Fachbereichsleiterin.

Gefragt wurden die Kita-Fachkräfte auch danach, ob in ihrem Team genügend Fachkräfte arbeiten, damit die pädagogische Arbeit so geleistet werden kann, dass sie den fachlichen Anforderungen, wie beispielsweise Bildungsplänen, gerecht werden. Demnach fehlen in jeder Kita im Durchschnitt drei Vollzeitkräfte. Bei rund 57.600 Kitas in Deutschland sind dies knapp 173.000 fehlende Fachkräfte. Für Baden-Württemberg mit seinen 9.200 Kindertageseinrichtungen wären dies 27.000 Fachkräfte.

„Über ein Viertel der Beschäftigten antwortet mit einem klaren Nein, wenn es darum geht, fachlich adäquat arbeiten zu können. Viele pädagogischen Fachkräfte können wegen des Personalnotstands den fachlichen Anforderungen nicht gerecht werden. Das darf von den politisch Verantwortlichen nicht ignoriert werden. Es braucht kurz- und langfristig Lösungen für mehr Personal, um Entlastung zu schaffen und Qualität zu sichern“, so Irene Gölz, Landesfachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales.

„Als zuständige Gewerkschaft für die Beschäftigten in der Kinderbetreuung nehmen wir die Ergebnisse der Befragung sehr ernst. Wenn hier nicht Abhilfe geschaffen wird, mehr Personal zur Verfügung gestellt wird und die Arbeitsbedingungen verbessert werden, gibt es nur Verlierer. Die Beschäftigten, die Eltern und vor allem die Kinder leiden unter der aktuellen Situation. Wir erwarten von Politik und Arbeitgebern, dass sie alles tun, um den Beschäftigten, die bereits da sind, ein Berufsleben bis zur Rente zur ermöglichen, eine Qualifizierungs- und Ausbildungsoffensive sowie kurzfristig die Einstellung von qualifizierten Zusatzkräften“, fordert Martin Gross.


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